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HÖRUNTERSTÜTZUNG IN ÖFFENTLICHEN GEBÄUDEN UND EINRICHTUNGEN

Q&A mit Carsten Ruhe

Wir haben mit dem Experten Carsten Ruhe (Ingenieur für Akustik) gesprochen. Er beantwortet für uns Fragen rund um das Thema Hörunterstützung. Wann eine Hörunterstützung für Schwerhörige notwendig ist und wie sich diese umsetzen lässt, steht dabei im Fokus. Im Zuge dessen setzen wir uns außerdem mit gesetzlichen Vorgaben, den Übertragungsarten und natürlich mit möglichen Anwendungen unseres digitalen Drahlossystems Unite auseinander.

Hörbeispiele aus dem Expertengespräch:

Schwerhörigen ist es meist unmöglich ohne Hörunterstützung unter den gängigen Gegebenheiten einem Vortrag oder einer Präsentation zu folgen.

Deshalb wird oft eine Induktionsschleife, wie zum Beispiel die IL 200 eingesetzt, um Audiosignale auf Hörgeräte und Cochlea-Implantate zu übertragen. 

Dies sorgt für eine optimale Lautstärke und einen linearen Frequenzgang für bessere Sprach- und Silbenverständlichkeit.

Q&A zum nachlesen

Die wichtigsten Fragen rund um das Thema Hörunterstützung haben wir in einem Q&A zusammengefasst. Das vollständige Interview findest du unten als Download.

beyerdynamic: Wann benötigt man Hörunterstützung?

Carsten Ruhe: In der „Hilfsmittel-Richtlinie“, Stand 17. Dezember 2015, des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) über die Verordnung von Hilfsmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung ist festgelegt: 

„Voraussetzung für eine Hörgeräteversorgung ist, dass der tonaudiometrische Hörverlust auf dem besseren Ohr mindestens 30 dB in mindestens einer der Prüffrequenzen zwischen 500 und 4000 Hz und sprachaudiometrisch die Verstehensquote auf dem besseren Ohr (…) nicht mehr als 80% beträgt.“

Nach dieser Definition des G-BA sind in Deutschland etwa 14 bis 17 Millionen Menschen schwerhörend. Das ist etwa jeder fünfte oder sechste. Davon tragen aber nur etwa 2,5 bis 3 Millionen auch Hörgeräte. Das ist etwa jeder 30. Der Rest ist unversorgt. 

„Barrierefreiheit ist kein Almosen, das ist Menschenrecht und es steht im Artikel 3 des Grundgesetzes – niemand darf aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Das Statistische Bundesamt erfasst nur diejenigen Personen, die einen Grad der Behinderung (GdB) ≥ 50 haben und danach im Sinne des Gesetzes als „schwerbehindert“ gelten. Das sind (Stand 2017) „nur“ 7.8 Millionen. Die Zahl der Menschen, welche allein durch Schwerhörigkeit gehandicapt sind, ist also gut doppelt so groß, eine völlig unterschätzte Menge!

Auch mit geringer Schwerhörigkeit oder auch aus anderen Gründen haben viele Menschen Schwierigkeiten, das gesprochene Wort zu verstehen. Dazu gehören einerseits raumakustische Gründe (Nachhall, Störgeräusche, Abstand zum Sprecher) und andererseits sprachliche Gründe (Fremdsprache oder Dialekt). In solchen Fällen haben selbst guthörende Schwierigkeiten zu verstehen und auch geringe, oft unbemerkte, Hörverluste machen einem das Leben schwer.

(…)

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