Behind the Decks: Mit Anja Schneider

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BEHIND THE DECKS: MIT ANJA SCHNEIDER

Mit Anja Schneider stellen wir euch eine Künstlerin vor, die die elektronische Musikszene seit mehr als 25 Jahren mitprägt – zwischen House, Techno, Radio, Studio und Club. Im Interview erzählt sie, warum Groove und Emotionalität für sie untrennbar zusammengehören, wie Detroit und die späten Neunziger ihren Sound bis heute beeinflussen und weshalb Clubkultur für sie ein essenzieller gesellschaftlicher Raum ist.

Im Interview: Anja Schneider

INHALTSVERZEICHNIS

Über Anja

beyerdynamic Blog:  Du hast die elektronische Musikszene über viele Jahre mitgeprägt. Wie würdest du Menschen, die dich gerade neu entdecken, deinen heutigen künstlerischen Fokus beschreiben?

Natürlich würde ich mich freuen, wenn mich neue Menschen entdecken. Ich mache seit über 25 Jahren elektronische Musik und habe dabei nie versucht, Trends hinterherzulaufen. Mein Sound bewegt sich irgendwo zwischen House und Techno, aber am Ende geht es mir weniger um Schubladen als um ein bestimmtes Gefühl. 

Für mich muss Musik vor allem grooven. Dieser Moment, wenn ein Track die Menschen auf der Tanzfläche verbindet und etwas auslöst, ist das, was mich antreibt. Gleichzeitig spielt Emotionalität eine große Rolle. Ich möchte nicht nur Beats liefern, sondern Geschichten erzählen, Stimmungen erzeugen und Menschen berühren. 

Wenn die Leute nach einem Set oder einer Veröffentlichung nach Hause gehen und sagen: ‘Das hat mir eine richtig gute Zeit geschenkt’, dann habe ich mein Ziel erreicht. 

beyerdynamic Blog:  Du hast deine Wurzeln auch im Radio: Was hat dir die Arbeit bei Kiss FM und später deine Sendung bei Radio Fritz über Musik und das Publikum beigebracht – was dir bis heute als DJ und Podcasterin hilft? 

Die Arbeit beim Radio – zuerst bei Kiss FM, später bei Fritz und Radioeins – hat mich musikalisch und persönlich stark geprägt. Dort habe ich viel Musik kennengelernt und gelernt, Stimmungen zu lesen und zu verstehen, was Menschen bewegt. 

Diese Fähigkeit hilft mir bis heute – als DJ auf der Tanzfläche genauso wie in meinem Podcast „Anja Schneider’s Backstage“. Meine journalistische Erfahrung aus über 30 Jahren Radio ermöglicht es mir, spannende Gespräche zu führen und neue Geschichten hinter der Musik zu entdecken. 

beyerdynamic Blog: Was war der ausschlaggebende Moment, in dem aus „Ich liebe diese Musik“ das Verlangen nach „Ich muss selbst auflegen/produzieren“ wurde?

Ich hatte nie einen großen Masterplan, vom Radio oder Journalismus ins DJing und Produzieren zu wechseln – das hat sich sehr organisch entwickelt. Durch meine Radiosendungen kamen die ersten DJ-Anfragen, und plötzlich stand ich nicht mehr nur hinter dem Mikrofon, sondern auch hinter den Decks. 

Durch die intensive Beschäftigung mit Musik entstand irgendwann der Wunsch, nicht nur zu kuratieren und aufzulegen, sondern eigene Sounds und Stimmungen in Tracks auszudrücken. So wurde aus der Radiomacherin eine DJ und später auch eine Produzentin – ganz natürlich, Schritt für Schritt. 

beyerdynamic Blog: Gibt es einen Sound, eine Platte oder eine Ära, die dich bis heute prägt?

Meine größten Einflüsse liegen klar in den späten Neunzigern. Diese Zeit hat mich musikalisch enorm geprägt und tut es bis heute. Eine besondere Rolle spielt dabei Detroit – für mich eines der wichtigsten Ursprungsorte elektronischer Musik überhaupt. 

Die Künstler:innen aus Detroit haben etwas geschaffen, das weit über einzelne Tracks oder Trends hinausgeht. Diese Verbindung aus futuristischen Sounds, Groove, Soul und einer tiefen Emotionalität hat mich von Anfang an fasziniert. Genau diese Haltung zur Musik begleitet mich bis heute und fließt auch in meine eigenen Sets und Produktionen ein. 

Deshalb wird Detroit für mich immer eine prägende Referenz bleiben – nicht nur musikalisch, sondern auch in der Art, wie elektronische Musik Menschen verbinden und berühren kann. 

Musikalische Identität

beyerdynamic Blog: Wie würdest du deinen Sound beschreiben? Was macht ihn einzigartig?

Der Begriff „Schneiderhouse“ entstand durch Freunde und Wegbegleiter und ist mit der Zeit einfach hängen geblieben. Für mich beschreibt er meinen Sound sehr gut, weil ich mich musikalisch schon immer zwischen House und Techno bewege. 

Mich haben beide Welten geprägt, ohne dass ich mich eindeutig einer Seite zuordnen wollte. „Schneiderhouse“ ist für mich deshalb weniger ein Genre als eine Haltung: groovige, emotionale elektronische Musik mit Tiefe, die Menschen auf der Tanzfläche verbindet. 

beyerdynamic Blog: Du warst als Radiomacherin viele Jahre immer auf der Suche nach neuer Musik: Welche Genres/Artists/Szenen geben dir gerade das Gefühl, dass da wirklich etwas Neues entsteht?

Im Moment finde ich es gar nicht so einfach, etwas wirklich komplett Neues auszumachen. Spannend ist für mich aber, wie eine junge Generation die Sounds der Neunziger und frühen 2000er neu entdeckt und in einen eigenen Kontext setzt. 

Das sind keine bloßen Kopien, sondern eigenständige Interpretationen mit frischen Einflüssen und neuer Perspektive. Genau das macht elektronische Musik für mich so interessant: Sie entwickelt sich weiter, während ihre Geschichte hörbar bleibt.

Club vs. Studio: Vom Workflow bis zum Dancefloor

beyerdynamic Blog: Du bewegst dich seit Jahrzehnten zwischen Club, Studio und Broadcast: Was hat sich daran verändert, wie du Musik vorbereitest (heute vs. damals) – und was ist gleichgeblieben?

Daran hat sich tatsächlich gar nicht so viel verändert. Ich höre meine Musik bis heute vor jeder Radiosendung und vor jedem DJ-Set sehr genau durch. Mir ist es wichtig zu wissen, welche Stimmung ein Track transportiert, welche Details darin stecken und wie er sich mit anderen Stücken verbinden lässt. 

Verändert hat sich vor allem das Medium. Angefangen hat alles mit Vinyl, später kamen CDs dazu, und heute arbeite ich überwiegend mit digitalen Files. Aber unabhängig vom Format ist der Prozess für mich derselbe geblieben: Musik aufmerksam hören, auswählen und daraus eine Geschichte erzählen. 

Am Ende geht es nicht darum, auf welchem Medium ein Track gespeichert ist, sondern darum, wie Musik die Menschen erreicht und welche Emotionen sie auslöst. 

beyerdynamic Blog: Welche Skills unterscheiden deiner Erfahrung nach DJs, die langfristig erfolgreich bleiben, von denen, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden?

Für mich beginnt ein gutes DJ-Set mit einer besonderen Trackauswahl. Entscheidend ist, welche Musik zusammenpasst, welche Geschichte daraus entsteht und wie man Menschen überraschen kann. Dabei geht es nicht nur um bekannte oder erfolgreiche Tracks, sondern auch um unentdeckte Stücke, die im richtigen Moment eine besondere Wirkung entfalten. 

Gerade diese Mischung aus Vertrauten und Unerwartetem macht ein Set spannend und unterscheidbar. 

Am Ende geht es darum, einen Vibe zu kreieren, der die Menschen mitnimmt und verbindet. Wenn daraus ein gemeinsames Erlebnis entsteht, ist das für mich gelungenes DJing. 

beyerdynamic Blog:  An welchem Punkt in deinem Workflow merkst du am stärksten, ob du einem Kopfhörer wirklich vertrauen kannst?

Eigentlich hat mich der DJ 300 PRO X CLUB sofort beim Auflegen überzeugt. Ich habe direkt angefangen, mit dem Kopfhörer zu spielen, und seitdem nicht mehr gewechselt. 

Davor habe ich über viele Jahre mit einem anderen Modell aufgelegt und war daran natürlich gewöhnt. Umso mehr hat es mich überrascht, wie schnell ich mich mit dem neuen Kopfhörer wohlgefühlt habe. Ich fühle mich damit sehr sicher, kann präzise arbeiten und habe einfach großes Vertrauen in den Sound. 

Für mich ist das beim DJing enorm wichtig. Wenn das Equipment intuitiv funktioniert und man sich darauf verlassen kann, kann man sich vollkommen auf die Musik und den Moment konzentrieren. Und genau das macht mir aktuell unglaublich viel Spaß.

DJ 300 PRO X CLUB

beyerdynamic Blog:  Wie schaffst du es, Studio-Ideen authentisch auf den Dancefloor zu übertragen?

Das ist tatsächlich immer eine große Kunst. Bei mir läuft es meistens eher andersherum: Ich nehme die Eindrücke, Energien und Emotionen aus einer Clubnacht oder vom Dancefloor mit ins Studio und versuche dort, genau dieses Gefühl einzufangen und in einen Track zu übersetzen. 

Mich interessiert die Frage, warum bestimmte Momente auf der Tanzfläche funktionieren und wie man diese Energie musikalisch transportieren kann. Diese Erfahrungen sind oft eine wichtige Inspiration für meine Produktionen. 

Besondere Events

beyerdynamic Blog:  Was war dein unvergesslichster Gig – und warum? 

Es gibt tatsächlich nicht diesen einen Gig, den ich herausheben würde. Dafür durfte ich in meiner Karriere einfach zu viele besondere Momente erleben. 

Was mich dabei immer am meisten freut, ist die Verbindung, die durch die Musik entsteht. Wenn Menschen mich buchen, gibt es bereits eine gemeinsame Sprache – und das ist die Musik. Daraus entstehen immer wieder besondere Begegnungen, schöne Erinnerungen und starke Emotionen, die man mitnimmt. 

Deshalb messe ich einen Auftritt auch nicht unbedingt an der Größe des Clubs oder Festivals. Entscheidend ist für mich die Atmosphäre, die Energie im Raum und die Verbindung zu den Menschen. Und ganz ehrlich: Solange der Sound gut ist, bin ich glücklich. 

beyerdynamic Blog:  Erinnerst du dich an das ungewöhnlichste Event, auf dem du je gespielt hast? 

Ich hatte das Glück, an vielen außergewöhnlichen Orten aufzulegen – da fällt es schwer, einen einzelnen Gig herauszugreifen. 

Ich habe schon in einer stillgelegten U-Bahn gespielt, in einer Toilette, auf einem Truck während einer Parade oder an der Siegessäule. Solche Locations haben ihren eigenen Reiz, weil sie eine besondere Atmosphäre schaffen. Genau diese Vielfalt macht das DJ-Leben für mich bis heute spannend – man weiß nie, wo die nächste besondere Erinnerung entsteht.

beyerdynamic Blog:  Du warst 2003 bis 2005 Resident im Berliner Watergate: Wenn du diese Zeit mit heute vergleichst – welchen Wandel siehst du in der Clubkultur am stärksten?

Die Clubkultur steht aktuell vor großen Herausforderungen. Zwar hat sich in den vergangenen Jahren einiges bewegt, doch Clubs werden noch längst nicht überall als das anerkannt, was sie sind: wichtige kulturelle Orte und gesellschaftliche Räume. 

Steigende Kosten, Gentrifizierung und weniger finanzielle Unterstützung setzen viele Clubs, Betreiber:innen und Veranstalter:innen zunehmend unter Druck. Umso wichtiger ist heute der Zusammenhalt innerhalb der Szene – und dass wir den Wert dieser Kultur sichtbar machen. 

Für mich ist Clubkultur weit mehr als Unterhaltung: Sie schafft Räume für Begegnung, Austausch, Kreativität, Offenheit und Vielfalt. Genau deshalb ist sie für eine lebendige Gesellschaft essenziell. 

Anja mit dem DJ 300 PRO X CLUB in Action

Tipps und Inspiration

beyerdynamic Blog:  Was macht für dich ein gutes DJ-Set aus – und welche drei konkreten Tipps würdest du angehenden Künstler:innen geben, um das eigene Set spürbar zu verbessern? 

  1. Sich selbst treu bleiben: Trends kommen und gehen, aber eine eigene musikalische Identität kann über Jahre Bestand haben. 
  2. Verbindung mit der Crowd: Ein gutes DJ-Set entsteht im Dialog mit den Menschen auf der Tanzfläche – indem man die Stimmung versteht und gleichzeitig eine eigene Geschichte erzählt. 
  3. Risiken eingehen: Oft sind es genau die unerwarteten Momente, die ein Set besonders machen. Am Ende geht es darum, unterscheidbar zu sein – nicht, indem man lauter ist als andere, sondern indem man etwas Eigenes zu sagen hat. 

beyerdynamic Blog: Danke Anja, für deine Zeit und die spannenden Einblicke in deinen Weg, deine Musik und deine Sicht auf Clubkultur. Rave on!

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In diesem Beitrag erwähnte Produkte:
DJ 300 PRO X | beyerdynamic

DJ 300 PRO X
Professioneller 2-in-1 DJ-Kopfhörer

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Professioneller 2-in-1 DJ-Kopfhörer

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