Behind the Decks: Mit Tereza

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BEHIND THE DECKS: MIT TEREZA

Mit Tereza stellen wir euch eine DJ vor, deren musikalischer Weg vor über zehn Jahren im Hip-Hop begann und sie heute zwischen House, Disco, soulful elektronischer Musik und Jazz-Einflüssen bewegt. Neben Clubs und Festivals ist sie auch im Radio zu Hause, unter anderem mit eigenen Shows bei COSMO/WDR und Worldwide FM. Im Interview erzählt sie uns mehr über ihren musikalischen Werdegang, die Einflüsse hinter ihrem Sound und ihre Perspektive aufs DJing.

Im Interview: Tereza

INHALTSVERZEICHNIS

Über Tereza

beyerdynamic Blog:  Du wurdest mit deinem BADUOLOGY-Mixtape – einer Ode an Erykah Badu – bekannt. Was hat dich damals so sehr an Erykah Badu fasziniert, dass du ihr ein ganzes Mixtape gewidmet hast?

Tereza: Wie viel Zeit und Platz habt ihr? 🙂 Nachdem ich durch Zufall das “New Amerykah Part Two” Album gehört hatte, war ich sofort hooked. Musikalisch war das genau mein Ding: raw, super soulful, innovativ und gleichzeitig tief in der Musikgeschichte verwurzelt. Allein das Musikvideo zu “Window Seat” ist auch 15 Jahre später noch beeindruckend. Was mich an Erykah Badu am meisten inspiriert, ist ihre Boldness. Sie hat Generationen von Musiker:innen musikalisch beeinflusst, entwickelt sich ständig weiter und veröffentlicht Musik nur dann, wenn sie wirklich etwas zu sagen hat. Das entzieht sich jeglicher kommerzieller Superstar-Logik und fühlt sich dadurch sehr echt an. Über allem steht ihre Stimme und die Art, wie sie live performt. Ich habe sie vor ein paar Jahren bei einem Jazzfestival in Polen gesehen – das war einfach nur Magic.

beyerdynamic Blog:  Wann und wie begann deine Reise weg vom Hip-Hop hin zu House, Disco, Broken Beat und souliger Bassmusik?

Tereza: Das war definitiv ein Prozess. Ich komme ursprünglich aus Chemnitz, wo Hip-Hop für mich allgegenwärtig war – von den vielen DJ-Crews bis zum splash! Festival, das leider wegzog, bevor ich alt genug war, um hinzugehen. Trotzdem war ich komplett in der Hip-Hop-Bubble mit Scratching, Beat Juggling und allem, was dazugehört.

Ich habe mich natürlich für die Musik interessiert, aber ehrlicherweise war der technische Aspekt des Auflegens für mich die Initialzündung, mit dem DJing anzufangen. Mit der Zeit hat sich dieser Fokus verschoben und die Neugier auf die Musik wurde immer größer. Hip-Hop war da der perfekte Ausgangspunkt: über die Sample-Querverweise habe ich mich viel mit Jazz, Soul, Funk und später Disco, House und den unterschiedlichsten elektronischen Spielarten beschäftigt. Daraus ist über die Jahre der eklektische Sound gewachsen, den ich heute spiele.

DJ TEREZA


Quick Fire Section

Opening Lieblingstrack: „Cabana – Bailando Con Lobos“ (Super Sound Global Edit)
Go-to-Track für den Peak: „Shuya Okino – Still in Love“ (Kyodia Remix)
Most underrated Track: alles von Gerado Frisina
Kopfhörer: On-Ear oder Over-Ear? Seit neuestem On-Ear!
Analog oder Digital? Analog girl in a digital world
Traum back-to-back Partner: Super schwer, ich bin kein riesiger b2b-Fan – aber vielleicht Lakuti, Gilles Peterson, Ron Trent oder Laurent Garnier?
Drei Wörter, die dich als DJ beschreiben: Elektrisch, soulful, jazz.

 

DJ TEREZA


Quick Fire Section

Opening Lieblingstrack:
„Cabana – Bailando Con Lobos“ (Super Sound Global Edit)
Go-to-Track für den Peak:
„Shuya Okino – Still in Love“ (Kyodia Remix)
Most underrated Track:
alles von Gerado Frisina
Kopfhörer: On-Ear oder Over-Ear? 
Seit neuestem On-Ear!
Analog oder Digital?
Analog girl in a digital world
Traum back-to-back Partner:
Super schwer, ich bin kein riesiger b2b-Fan – aber vielleicht Lakuti, Gilles Peterson, Ron Trent oder Laurent Garnier?
Drei Wörter, die dich als DJ beschreiben:
Elektrisch, soulful, jazz.

 

Musikalische Identität

beyerdynamic Blog:  Du hast uns bereits erläutert, wo die Wurzeln deines Sounds liegen. Wie würdest du deinen Sound aber selbst beschreiben?

Tereza: Eklektisch, uplifting, warm, texturiert, percussion-heavy, groove-focused, soulful, raw und jazzy – keine Fahrstuhlmusik! Diese Begriffe bilden für mich den roten Faden, unabhängig davon, ob ein Track Disco, House, UK Garage, Broken Beat oder Jungle ist. Die Kunst liegt darin, aus diesem Genre-Wirrwarr eine harmonische Geschichte zu erzählen. Darin bin ich über die Jahre immer besser geworden und entwickle zunehmend meine eigene Sprache.

beyerdynamic Blog:  Dein „WATERS“-Partyprojekt und „Blue Space“ zeigen dich auch als Kuratorin und Veranstalterin. Wie hängen das DJ-Sein und die Kuration für dich zusammen – ergänzen sie sich oder konkurrieren sie manchmal?

Tereza: Die Rollen überschneiden sich total. Mein musikalisches Interesse und mein Geschmack als DJ fließen direkt in die Kuration ein. Für meine Partyreihen habe ich ausschließlich Künstler:innen gebucht, die ich selbst spannend finde und von denen ich teilweise schon jahrelang Fan war. Nicht zu unterschätzen ist allerdings die doppelte Verantwortung, Veranstalterin bzw. Ansprechpartnerin für alles zu sein und selbst am Abend noch aufzulegen – can’t always recommend. 

Club vs. Studio: Vom Workflow bis zum Dancefloor

beyerdynamic Blog:  Neben deinen Veranstaltungen bewegst du dich zwischen Clubs wie dem Open Ground oder Heideglühen und Radiosets auf NTS, Kiosk Radio oder Worldwide FM. Wie bereitest du dich auf die unterschiedlichen Formate vor und woran unterscheidet sich dein Workflow?

Tereza: Der größte Unterschied ist: Crowd ja oder nein – dementsprechend bereite ich mich vor. Für ein Clubset überlege ich mir zwar eine Geschichte mit einer groben Struktur und ein paar Songs als Eckpfeiler, aber es kann natürlich sein, dass ich nach dem fünften Track merke, dass das in eine ganz andere Richtung läuft. Dann ist Spontanität und Improvisation gefragt. Genau das ist der Thrill beim Auflegen und das schönste Gefühl für mich, wenn ich dann mit dem Publikum in einen Flow komme und sich das Set wie von allein aufbaut. Im Radio dagegen gibt es dieses unmittelbare Feedback der Crowd nicht. Dort kann ich mich losgelöst von äußeren Faktoren viel stärker auf die Geschichte konzentrieren, die ich erzählen will. Improvisation findet dann eher in der Moderation oder bei den Interviews statt.

beyerdynamic Blog: Deine Sets wirken trotz ihrer Breite sehr organisch und kohärent. Wie entscheidest du live, wohin du als nächstes gehst – Intuition oder Struktur?

Tereza: Danke – mir ist wichtig, dass trotz der musikalischen Breite ein roter Faden erkennbar bleibt. Dafür braucht es Erfahrung und ein Zusammenspiel aus Intuition und Struktur: Die Intuition gibt mir die musikalische Richtung vor, während mir die pragmatische Ebene hilft, mit dem passenden Track eine fließende Brücke von A nach B zu bauen.

beyerdynamic Blog:  In deiner Worldwide-FM-Show hast du mit verschiedenen Formaten experimentiert und Künstler:innen eingeladen. Wie hat die Arbeit im Radio dein Verständnis von Musik und Kuration verändert?

Tereza: Am Radio liebe ich, dass ich musikalische Geschichten genau so erzählen kann, wie ich sie konzipiere. Besonders während der Pandemie hat mir das geholfen und meinen musikalischen Horizont erweitert. Ohne den Druck, eine Tanzfläche lesen und bespielen zu müssen, konnte ich meiner Neugier freier folgen und jeder Sendung einen eigenen Fokus geben. So wurde das Radio für mich zu einer Spielwiese abseits des Clubkontexts.

Equipment: Setup und Gear Talk

beyerdynamic Blog:  Wie hat sich dein Setup über die Jahre verändert – eher durch technologische Trends oder durch persönliche Bedürfnisse?

Tereza: Ich bin wirklich froh, dass die Zeit vorbei ist, in der ich meinen eigenen Mixer zu jedem Gig mitgeschleppt habe und man dann zwischen den Sets umbauen musste. Jetzt ist alles sehr reduziert und simpel: zwei Plattenspieler, zwei CDJs und ein Mixer. Am liebsten spiele ich mit einem klassischen Pioneer Mixer, weil er mir mit den Effekten, Filtern und Fadern maximale technische Freiheit gibt. Für einen besseren Sound freue ich mich aber auch über manche Rotary Mixer. Dafür nehme ich ein paar Einschränkungen beim Mixing gern in Kauf.

Tereza - DJ 300 PRO X

beyerdynamic Blog:  Welche Tools sind für dich beim Diggen und Vorbereiten unverzichtbar? Du bist bekannt für deine tiefen Bandcamp-Ausflüge – wie organisierst du deinen Musik-Workflow?

Tereza: Ehrlicherweise bin ich weniger organisiert, als ich es mir wünschen würde. Die einzige Konstante: Ich nehme mir jeden Tag Zeit zum Diggen – oder versuche es zumindest. Mal verschwinde ich einen ganzen Nachmittag in einem Rabbit Hole, mal checke ich nur 30 Minuten neue Promos. Pro-Tipp: Exibeat ist eine relativ neue Plattform, auf der man Musiker*innen für Promos bezahlen kann.

beyerdynamic Blog:  Was muss ein DJ-Kopfhörer für dich mitbringen?

Tereza: Was ein DJ-Kopfhörer mitbringen muss, hängt für mich stark von der Situation ab. Bei der Vorbereitung eines Sets steht eine ausgewogene, detailgetreue Soundwiedergabe im Vordergrund: Ich möchte möglichst gut einschätzen können, wie ein Track tatsächlich klingt. Im Club werden dagegen auch Tragekomfort und eine starke Isolation wichtig. Der Kopfhörer muss die Umgebungsgeräusche zuverlässig abschirmen, damit ich nicht unnötig laut aufdrehen muss.

DJ 300 PRO X CLUB

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Besondere Events

beyerdynamic Blog:  Was war dein unvergesslichster Gig und warum?

Tereza: Ich durfte 2022 über ein Stipendium knapp zwei Monate in Detroit verbringen und dort auch spielen. Das war sehr besonders für mich. Zum einen waren ein paar meiner absoluten Heroes da und andererseits merkt man einfach, dass die Beziehung zu dieser Musik in Detroit anders ist. Die Energie ist einzigartig und der ganze Trip für mich unvergesslich.

beyerdynamic Blog:  Detroit hat tatsächlich eine Tiefe Bindung zur elektronischen Musik. Was war neben dem unvergesslichsten Gig das ungewöhnlichste Event, auf dem du je gespielt hast?

Tereza: Spontan: Meine Heimatstadt Chemnitz war 2025 europäische Kulturhauptstadt und ich habe zur Eröffnungsfeier als eine von drei DJs auf einer riesigen Bühne vor tausenden Menschen auf dem Marktplatz aufgelegt. Mein letzter Track war “Celebration Suite” von Airto. Samba im Januar bei Temperaturen um die 0 Grad, in Chemnitz. Fühlte sich genauso surreal an, wie es klingt.

beyerdynamic Blog:  Wir merken deutlich, dass du in sehr unterschiedlichen Kontexten spielst: Ob Marktplatz, Club, Festival oder Radio. Wann fühlt sich ein Dancefloor für dich gut an?

Tereza: Ich bin richtig happy über diese Bandbreite und die Möglichkeit, mich musikalisch voll zu entfalten. Unabhängig vom Setting sind für mich dieselben Faktoren entscheidend: ein aufgeschlossenes, neugieriges und diverses Publikum, ein gutes Soundsystem, ein stimmiges Line-up und ein starkes Team drum herum. 

Tipps und Inspiration

beyerdynamic Blog:  Was macht für dich ein gutes DJ-Set aus – und welche drei konkreten Tipps würdest du angehenden Künstler:innen geben, um das eigene Set spürbar zu verbessern?

Tereza: Für mich sind es vor allem drei Dinge, die darüber entscheiden, ob sich ein Set am Ende wirklich rund anfühlt:

  1. Kontext und Rolle im Line-up verstehen
    Ich checke immer als Erstes die Playtime und das Setting: Spiele ich Warm-up, Peak oder Closing? Indoor oder outdoor? Wer spielt vor oder nach mir? Was ist der Kontext der Veranstaltung? Das sind für mich alles entscheidende Faktoren dafür, was und wie ich spiele.
  2. Trackselection mit rotem Faden
    Erzähl mir eine Geschichte! Überrasch mich! Ein gutes Set lebt für mich davon, dass die Auswahl nicht nur funktioniert, sondern einen roten Faden hat und trotzdem unerwartete Momente zulässt.
  3. Pacing bewusst einsetzen
    Daran muss ich mich auch öfter erinnern, weil die üblichen 90-Minuten- oder Zwei-Stunden-Slots manchmal einen vermeintlichen Zeitdruck aufbauen. Dabei macht es häufig einen großen Unterschied, Songs auch länger laufen und damit atmen zu lassen.

beyerdynamic Blog:  Du hast dich von einer Hip-Hop-DJ zu einer der vielseitigsten DJs der Berliner Szene entwickelt. Welche Skills und Haltungen haben dir dabei am meisten geholfen – und was würdest du rückblickend anders machen?

Tereza: Wie schon erwähnt, ist Hip-Hop das perfekte Genre, um viele andere Genres kennenzulernen. Ich bin neugierig, begeistere mich für vieles, langweile mich aber auch schnell – Fluch und Segen zugleich. Im besten Fall wird man so zu einem Schwamm für alles Spannende. Entscheidend sind außerdem die Bereitschaft und der Mut, sich weiterzuentwickeln, die eigene Komfortzone zu verlassen und auch mal „nein“ zu sagen, wenn sich etwas nicht mehr richtig anfühlt. 

beyerdynamic Blog:  Was würdest du rückblickend anders machen?

Tereza: Ich arbeite aktiv daran, mir weniger Gedanken zu machen und Dinge nicht so krass zu zerdenken. Rückblickend glaube ich, dass mir das einige Momente kaputt gemacht hat, in denen ich besser das “Hier und Jetzt” aufgesogen und genossen hätte.  

Zukunft und Trends

beyerdynamic Blog:  Welche technologischen Entwicklungen oder Trends beobachtest du gerade in der DJ-Welt?

Tereza: Vielleicht vorweg: Ich glaube, dass es die EINE DJ-Welt gar nicht gibt. Mit der steigenden Popularität des “DJ-Seins” über die letzten Jahre wird immer offensichtlicher, was wahrscheinlich schon immer da war: Ganz viele Bubbles und unterschiedliche Strömungen existieren gleichzeitig. Spannend, aber auch superbefremdlich! Manchmal denke ich mir “krass, das fühlt sich so weit weg von meiner eigenen Welt an”.

Das Gefühl hatte ich letztes Jahr bei einer Panel-Diskussion in München. Das einladende deutsche DJ-Software-Start-up stellte vor, wie KI aus wenigen Songs ganze Setlisten erstellen kann. Ich dachte nur: Das ist doch einer der most-fun parts meines Jobs. Für mich zeigt dieses Beispiel die Gegensätze der DJ-Welt: Auf der einen Seite die rasante technische Entwicklung mit KI, auf der anderen die bewusste Abkehr davon – zwei Plattenspieler, ein Mixer und Vinyl-Digger-Kultur at its best. Dazwischen entstehen Orte wie das Open Ground, das soundtechnisch neue Standards setzt. Ich hoffe, dass sich viele Clubs daran ein Beispiel nehmen. 

beyerdynamic Blog: Welcher Track beschreibt deinen aktuellen State of Mind am besten – warum gerade der?

Tereza: John Beltran – As The Sun 

In diesem Song höre ich immer eine gewisse Sehnsucht. Bei mir ist es grad die Sehnsucht nach Sommer. Wird noch ein bisschen dauern, bis ich mich mit der Kälte und der frühen Dunkelheit anfreunden kann. Bis dahin schwelge ich in Festivalsommer-Erinnerungen. 🙂

beyerdynamic Blog: Danke Tereza für deine offenen Einblicke in deinen Weg vom Hip-Hop zu deinem eigenen Sound und deine Arbeit zwischen Club, Radio und Kuration!

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