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EDITING FÜR DEINEN SONG – WIE BEARBEITEST DU AUDIOAUFNAHMEN?

Nach unserem Beitrag zum Mischen und zur Klanganpassung von Vokalaufnahmen widmen wir uns nun einem Thema, das trotz seiner tragenden Bedeutung nur allzu gerne ignoriert wird – dem Schneiden und Bearbeiten von rohen Audiodateien, dem Editing.

Das Editing zählt in professionellen Produktionen zu den zeitaufwändigsten Arbeitsschritten. Musik klingt nach der Aufnahme im Studio selten bereits so perfekt, wie sie dann über den medialen Mainstream verbreitet wird. Selbst wenn beim Singen alle Töne perfekt getroffen werden, fallen Plosiv- oder scharfe S-Laute sowie lautes Atmen und leichte Schmatzgeräusche auf einer Aufnahme durchaus auf. Bei Live-Auftritten hingegen werden sie nicht wahrgenommen. Mit diesem Artikel geben wir einen kurzen Überblick über die Unebenheiten, die den Aufnahmeprozess begleiten können, und welche Möglichkeiten zur Bereinigung einer Aufnahme bestehen.

  1. Die Werkzeuge
  2. Rauschen – ein vielseitiges Problem
  3. Nebengeräusche von Künstler und Instrument
  4. Verschiedene Takes schneiden
  5. Übergang zum Mixing
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DT 1770 PRO - Studio-Referenzkopfhörer für Mixing, Mastering, Monitorin

1. Die Werkzeuge

Während wir oft Effekte wie Kompressoren oder Equalizer zur allgemeinen Klangoptimierung nutzen, gibt es verschiedene Werkzeuge, die speziell auf tiefgreifende Ausbesserung ausgelegt sind. Ein kleiner Tipp: Häufig sind solche Plug-ins an der Vorsilbe „De“ erkennbar, wie beispielsweise der De-Esser oder De-Breath.

Die Funktionsweise vieler dieser Effekte oder Tools ist recht simpel. Entweder greifen sie ähnlich wie ein Equalizer in das Frequenzspektrum ein und entfernen Störgeräusche, oder sie begrenzen in Abhängigkeit von Zeit und Impuls bestimmte Pegel, wie beispielsweise das Plug-in De-Verb. Manche Algorithmen greifen sogar noch tiefer in das Signal ein oder können durch Nachbildung des Frequenzspektrums gute Resultate in der Rauschunterdrückung erzielen.

Tipp:

Informiere dich über alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, die du flüssig in deinen Aufnahmeprozess einbinden kannst. Zwar gibt es gute Programme, die effektiv verschiedene Rauschanteile aus dem Signal entfernen, wenn sie aber zu aufwändig oder zeitintensiv im Umgang sind, suche lieber nach einer anderen Lösung.

2. Rauschen – ein vielseitiges Problem

Rauschen kann in mehreren Formen auftreten und generell gilt es, solche Störgeräusche zu vermeiden. Wenn herkömmliche Mittel allerdings nicht greifen, kann mit Editing nachgeholfen werden.
Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Arten von Rauschen: das Grundrauschen, auch thermisches Rauschen genannt, und das akustische Rauschen, das durch Luftströme verursacht wird. Da Grundrauschen durch aktive Elektronik verursacht wird, ist es prinzipiell auf jeder Aufnahme zu hören. Glücklicherweise ist es aber extrem leise und wird nur bei leisen Sprachaufnahmen manchmal wahrgenommen. Akustisches Rauschen ist in der Regel lauter, kann aber beispielsweise durch Schließen aller Türen und Fenster sowie Ausschalten von Klimaanlagen und Lüftern früher verhindert werden. Beide Rauscharten können mit Plug-ins oft vollständig entfernt oder zumindest reduziert werden. Sollte die Art des Rauschens aber komplexer sein und beispielsweise unregelmäßig auftreten oder in der Frequenz variieren, hilft ein komplexerer Algorithmus, der anhand eines Zielsignals das Rauschen dynamisch herausrechnet.

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DT 990 PRO - Studiokopfhörer für Mixing und Mastering

3. Nebengeräusche von Künstler und Instrument

Dass ein Künstler das musikalische Material nicht 100-prozentig perfekt und störungsfrei wiedergeben kann, ist selbstverständlich. Wie zu Beginn erwähnt können solche Störgeräusche bei Sängern Atem- und Schmatzgeräusche sein, aber auch bei Instrumentalisten gibt es beispielsweise das „Wummern“ eines Gitarrenverstärkers oder das Knarren eines Kessels am Schlagzeug in einer bestimmten Frequenz.

Diese Unebenheiten sind schwierig zu korrigieren, da sie nicht wie statisches Rauschen von Effekten berechnet und herausgefiltert werden können. Am effektivsten ist es in diesen Fällen tatsächlich, etwas manuell herauszuschneiden. Das Audiomaterial wird dazu an der entsprechenden Stelle geschnitten, was wiederum zu einer Beeinträchtigung der entsprechenden Spur führen kann. Als Folge hört sie sich eventuell merkwürdig oder abgeschnitten an. Sollte das der Fall sein, kaschiere am besten den Ton durch Hinzumischen eines weiteren Takes. Sollte der Ton eigentlich ausklingen, kannst du diesen Nachklang durch Hinzufügen eines dezenten Halleffekts erzeugen. So wird dein Schnitt zusätzlich kaschiert.

Es ist immer vorteilhaft, genügend aufgenommenes Audiomaterial zu Verfügung zu haben, eventuell drei oder vier Takes, um für solche Eventualitäten gerüstet zu sein.

DT 1990 PRO - Studio-Referenzkopfhörer für Mixing und Mastering

4. Verschiedene Takes schneiden

„Overdubbing“ ist ein gängiges Aufzeichnungsverfahren, in dem verschiedene Aufnahmen übereinander gelegt werden, die zum Schluss ein vollwertiges Klangbild ergeben. Wie zuvor erwähnt wirst du auf diese Weise mehrere Takes aufnehmen, die du nicht nur zum Füllen und Kaschieren verwendest, sondern mit denen du ganze Abschnitte im Song ersetzen kannst. Das gibt dir die Möglichkeit, immer den besten Ausschnitt auszuwählen und so die Aufnahme weiter zu verbessern.

Gesangsaufnahmen lassen sich sehr leicht in Pausen oder während des Atmens schneiden, doch Schlagzeug- oder Gitarrenaufnahmen stellen eine größere Herausforderung dar. Übergänge und Takt müssen flüssig und sauber gehalten werden, um einen unauffälligen Schnitt zu gewährleisten. Dafür bieten sich sogenannten Crossfades an. Sie senken die Lautstärke der beiden Audiospuren ab und blenden sie ineinander über, wodurch der Schnitt kaum auffällt. Höre dir die geschnittene Stelle mehrmals an und bearbeitet sie so präzise wie möglich, im Idealfall ist der Schnitt anschließend nicht mehr hörbar.

Tipp:

Manchmal findest du in Gesangsaufnahmen keinen geeigneten Punkt zum Schneiden. Du kannst dann nach S- und P-Lauten Ausschau halten. S-Laute klingen bei Aufnahmen ähnlich wie Rauschen, deshalb kannst du problemlos zwischen zwei S-Lauten deines Takes schneiden. Das gleiche Prinzip lässt sich auch auf Instrumentalspuren anwenden, auch wenn es dort ungleich schwerer ist.

Übergang zum Mixing

Wenn sich alle Spuren unauffällig anhören, nichts heraussticht und du dir über keine eigenartigen Geräusche wunderst, bist du am Ziel. Das Editing nimmt zwar viel Zeit in Anspruch, ist aber dennoch ein entscheidender Schritt, denn nur so klingt der Gesamtmix am Ende wie ein sorgfältig aufgenommener Song.

Du willst noch tiefer ins Mixing einsteigen?
Dann kannst du hier weiterlesen: Die Kunst des Mixings

 

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Empfehlenswert und im Studioalltag bewährt sind unsere Modelle DT 880 PRO, DT 990 PRO und DT 1990 PRO. Solltest du unter Livebedingungen oder in anderen lauten Umgebungen editieren müssen, in denen keine offenen Kopfhörer möglich sind, bieten sich die Modelle DT 770 PRO/M oder DT 1770 PRO an.

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