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KLEINE ANLEITUNG FÜRS RECORDING VON E-GITARREN

In diesem Blogartikel möchten wir euch zeigen, wie ihr den Sound eurer elektrischen Gitarre und eures Gitarrenverstärkers optimal einfangen könnt. Dabei gibt es einiges zu beachten.

Gitarre und Verstärker bilden eine klangtechnische Einheit. Der Verstärker mitsamt dem Lautsprecher ist somit ein integraler Bestandteil des Gesamtsounds. Die Gitarre kann daher nicht einfach mit Hilfe einer Direct Box (DI Box) aufgenommen werden, da ein wesentlicher Teil der typischen Klangcharakteristik, gerade in den Genres Rock und Heavy, verloren gehen würde. 

Checkliste für dein Aufnahme Setup

  • Euer Gitarrensetup, bestehend aus Gitarre, Verstärker und Lautsprecherbox
  • Ein oder mehrere Mikrofone
  • Ein oder mehrere Mikrofonständer und am besten hochwertige Mikrofonkabel
  • Zum Aufnehmen: eine Soundkarte mit integrierten Mikrofonvorverstärkern
  • Für die Live-Performance oder den Proberaum: Ein Mischpult mit freien Kanälen für eure Mikrofonsignale

Checkliste für deinen Sound

  • Die Gitarre ist gestimmt und frisch besaitet.
  • Der Gitarrenverstärker passt zu eurer Stilrichtung und die Settings der Klangregelung sind euren Vorlieben entsprechend eingestellt. Der Sound sollte auch im Bandkontext funktionieren – ihr solltet also beispielsweise nicht zu viel Bass einstellen, damit genug Raum für eine Bassgitarre ist.
  • Für Rock und Heavy Sounds ist der richtige Grad an Verzerrung gewählt: gerade genug Gain, um der Gitarre ordentlich Schub zu verleihen, ohne dabei matschig und undifferenziert zu klingen – der Ton sollte noch richtig schön „tight“ sein.
  • Für einen optimalen Klang benötigen Röhrenverstärker eine gewisse Lautstärke. Stellt zudem sicher, dass der Verstärker in seinem „Sweet Spot“ betrieben wird. Bitte schützt bei hoher Lautstärke unbedingt euer Gehör!
  • Etwas Lautstärke wirkt sich auch positiv auf die Lautsprecherbox aus. Umgangssprachlich wird häufig davon gesprochen, dass der Speaker „Luft bewegen muss“. Berücksichtigt auch hier den „Sweet Spot“.
  • Der Raum, in dem euer Verstärker steht, sollte akustisch optimal gestaltet sein. Elemente wie beispielsweise Heizungen, Lampen oder der Snareteppich des Drummers im Proberaum sollten nicht mitschwingen. Vermeidet auch, dass der Raum durch sogenannte stehende Wellen in irgendeiner Form akustisch dröhnt. Hierfür kann man zusätzlich mit der Positionierung des Verstärkers im Raum spielen, bis man einen geeigneten Standort gefunden hat.

Es lohnt sich durchaus, hier einen gewissen Aufwand zu betreiben. Was klangtechnisch an dieser Stelle verloren geht oder falsch gemacht wird, lässt sich später kaum wieder wettmachen.

Habt ihr alle Punkte beachtet und der Klang eures Setups im Raum entspricht genau euren Vorstellungen, kann es mit der Mikrofonierung losgehen!

Auswahl der Speakers

Betreibt ihr mit eurem Gitarrenverstärker eine Lautsprecherbox mit mehreren Speakern, lohnt es sich durchaus herauszufinden, welcher der Lautsprecher für euch am besten klingt. Geht dafür bei moderater Lautstärke nahe an die Lautsprecherbox heran und hört euch jeden Speaker einzeln an.

Wichtig: Bitte seid dabei äußerst vorsichtig, denn hohe Lautstärken können schnell das Gehör schädigen. Stellt ihr dabei klangliche Unterschiede fest, wählt ihr für die Mikrofonierung den Speaker aus, der euch am besten gefällt.

Mikrofonpositionierung – Startpunkt

Schnappt euch das Mikrofon eurer Wahl (mehr Details zum Mikrofon folgen weiter unten) und positioniert es vor dem Speaker, der euch klanglich am besten gefallen hat. Ein guter Ausgangspunkt ist hier der Übergang zwischen Staubschutzkalotte und Lautsprechermembran. Das Mikrofon kann hier mit 2-3 cm Abstand zur Stoffbespannung des Lautsprechers positioniert werden.

Tipp: Häufig lässt sich durch die Stoffbespannung die genaue Position nur schwer erkennen. Möchtet ihr Beschädigungen an der Lautsprecherbox vermeiden und deshalb die Bespannung nicht entfernen, leuchtet einfach mit einer Taschenlampe auf den Speaker und findet so seine genaue Position heraus.

Einpegeln

Beim Aufnehmen müsst ihr die Mikrofonsignale optimal einpegeln. Spielt auf der Gitarre daher die lautesten Passagen und bei Heavy Sounds Palm Mute Riffs, um maximalen Pegel zu erzeugen. Die Verstärkung des Mikrofonvorverstärkers stellt ihr dabei so ein, dass die Signalspitzen in der DAW nie über -6dBFS (Dezibel Full Scale) gehen, um genug Aussteuerungsreserve zu haben. Das Signal kann auch gerne noch etwas leiser und konservativer eingepegelt werden, da eine Übersteuerung unangenehm klingt und nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Optimale Mikrofonposition

Nachdem das Mikrofon mit einer guten Ausgangsbasis positioniert und das Signal eingepegelt ist, hört ihr euch den Klang des Ganzen in Ruhe an. Idealerweise kann man im Studio den Sound in einer separaten Abhörregie beurteilen, doch diesen Luxus hat man als Band im Proberaum häufig nicht.

Deshalb kann es hilfreich sein, das Signal über einen Kopfhörer anzuhören oder eine Aufnahme davon zu machen und diese separat abzuhören.

Nun habt ihr die Möglichkeit, mit der Positionierung des Mikrofons zu spielen und so den Sound noch weiter zu verfeinern. Für einen höhenreichen und präsenten Klang, muss das Mikrofon zum Center des Lautsprechers ausgerichtet werden. Für einen Klang mit weniger aggressiven und beißenden Höhen und mehr Bässen, bewegt man das Mikrofon weiter nach außen. Abhängig von der Positionierung kann der Klang durchaus stark variieren.

Im Studio sitzt der Tonmeister daher häufig in der Abhörregie, während sein Assistent das Mikrofon am Lautsprecher hin- und her bewegt: Ein Prozess, der auch als „Microphone Sweeping“ bekannt ist. Dadurch bekommt er ein gutes Gefühl für die Bandbreite an tonaler Veränderung, die mit der Positionierung des Mikrofons erzielt werden kann.

Steht der Luxus einer separaten Regie nicht zur Verfügung, könnt ihr den Sound auch nacheinander an mehreren unterschiedlichen Positionen aufnehmen, vom Center des Lautsprechers aus stückweise weiter nach außen, und euch dann für die bevorzugte Position entscheiden.

M160 Gitarren-Verstärker

Dreht ihr ein weiter außen positioniertes Mikrofon zusätzlich noch Richtung Mitte des Lautsprechers, liefert die angewinkelte Mikrofonposition nochmals einen anderen Klang. Auch hier lässt sich durch Verschieben des Mikrofons Richtung Mitte oder Außenkante des Lautsprechers der Klang noch variieren.

Eine Positionierung des Mikrofons sehr nahe zur Stoffbespannung der Lautsprecherbox führt bei Druckgradientenmikrofonen, darunter fallen Mikrofone mit den Richtcharakteristiken Niere, Hyperniere und Acht, zum sogenannten Nahbesprechungseffekt, der tiefere Frequenzen anhebt. Um dem entgegenzuwirken, könnt ihr das Mikrofon zwar mit mehr Abstand zur Bespannung aufstellen, allerdings nimmt dabei auch der Raumeinfluss zu. Das kann ein durchaus gewollter Effekt sein, doch besonders bei schlechter Raumakustik entstehen dadurch häufig auch Störgeräusche. Gerade bei Rock und Heavy Sounds wird meist auf einen möglichst direkten Klang wert gelegt, während beispielsweise bei Jazz ein etwas natürlicherer Raumanteil vielleicht genau den erwünschen Sound bringt.

Die Positionierung des Mikrofons ist jedenfalls ein entscheidender Faktor in der Klangfindung und es lohnt sich, zu experimentieren und verschiedene Optionen auszuloten, um den optimalen Sound zu erreichen. Mit etwas Übung und Freude am Ausprobieren könnt ihr hier tolle und einzigartige Ergebnisse erzielen!

Mehrere Mikrofone

Besonders im Studio werden häufig mehrere und zumeist identische Mikrofone verwendet, um den finalen Gitarrensound zu erzielen. Durch die jeweilige Positionierung klingen die Mikrofonsignale so unterschiedlich, dass sich beim Zusammenmischen der Signale je nach Verhältnis die Klangfarbe des resultierenden Signals verändern lässt. Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Fredman Technik“, bei der es darum geht, zwei Mikrofone mit unterschiedlichen Positionierungen aufzunehmen. Das nachträgliche Zusammenmischen verleiht klangliche Flexibilität und es lassen sich damit sogar neue Klänge kreieren.

Beim Einsatz mehrerer Mikrofone ist es wichtig, auf die Phasenlage der Mikrofone zu achten. Klingen die einzelnen Mikrofonsignale gut, beim Zusammenmischen entsteht aber ein hohler, undifferenzierter Sound, liegt meist etwas im Argen. Ihr solltet darauf achten, dass alle Mikrofone möglichst den gleichen Abstand vom Lautsprecher zur Mikrofonmembran haben, um Laufzeitprobleme zu eliminieren. Ist die Phasenbeziehung genau gegenläufig, kann auch das betätigen des Phasenumkehrschalters am Mischpult oder der Soundkarte Abhilfe schaffen.

Wahl des Mikrofons

Auch die Wahl des Mikrofons hat erheblichen Einfluss auf den Klang. Aufgrund ihrer Robustheit und Übersteuerfestigkeit haben sich für diese Aufgabe dynamische Mikrofone bewährt, aber auch Bändchenmikrofone und Großmembrankondensatormikrofone kommen häufig zum Einsatz.

Alle Mikrofone unterscheiden sich in ihrem Klangcharakter, deshalb lohnt sich ein Vergleich und Abgleich der Mikrofone entsprechend eurer ganz individuellen Soundvorstellung. Welches Mikrofon wann am besten passt, lässt sich häufig nicht pauschal beantworten. Dafür sind das verwendete Setup aus Gitarre und Verstärker sowie die persönlichen Klangvorstellungen einfach zu unterschiedlich. Unsere Soundsamples geben euch aber hilfreiche Hinweise, welches unserer Mikrofone zu deinem Sound passen könnte.

Häufig werden auch unterschiedliche Mikrofone als eine Art Stilmittel kombiniert, denn die unterschiedlichen Klangfarben ermöglichen das Schaffen völlig neuer Sounds. Hier bietet sich beispielsweise die Kombination unseres Bändchenmikrofons M 160 mit einem anderen dynamischen Mikrofon (M 201 TG oder TG I51) an.

Unser Fazit

Durch die Auswahl eines oder mehrerer gleicher oder unterschiedlicher Mikrofone und einer Variation der Position, lässt sich der Gitarrensound vielseitig verändern. Die Möglichkeiten sind hierbei nahezu unbegrenzt. Nehmt euch deshalb die Zeit zum Experimentieren und probiert auch mal ungewöhnliche Positionierungen aus. Viel Spaß dabei

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