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Was versteht man unter Monitoring?

Da Monitoring sowohl für das Mixing als auch das Mastering relevant ist, verdient es gesonderte Aufmerksamkeit. Monitoring bezeichnet das gezielte Abhören des Mixes bzw. des Masters. Der Prozess des objektiven Monitorings findet meist in einem zu diesem Zweck akustisch optimierten Tonstudio statt, ist aber auch in deinem eigenen Homestudio möglich.

Das zielgerichtete Abhören eines Tracks dient der Beurteilung, ob die gewünschte klangliche Qualität erreicht wurde. In einer Abhörumgebung, die eine möglichst objektive Einschätzung des Tracks erlaubt, wird auf diese Weise entschieden, ob das Audiomaterial die klanglichen Anforderungen bereits erfüllt oder ob weitere Arbeitsschritte notwendig sind.

Außerdem wird auf verschiedenen Wiedergabesystemen die Kompatibilität des Materials kontrolliert. Monitoring soll hierbei sicherstellen, dass das Material nicht nur auf einem einzigen Paar Lautsprecher funktioniert, sondern auf beliebigen Wiedergabesystemen das bestmögliche Klangerlebnis liefert. 

Wichtige Faktoren beim Monitoring

Um diesen Prozess des objektiven Abhörens zu gewährleisten, sind einige Einflüsse mit einzubeziehen. Audiomaterial – ganz gleich, welcher Art – kann niemals einfach so abgehört werden „wie es wirklich ist“, sondern immer nur unter Berücksichtigung diverser auf unser Hörorgan einwirkender Faktoren.

1. Lautsprecher

Geeignete Lautsprecher zählen zu den wichtigsten Voraussetzungen beim Monitoring. Handelsübliche Hi-Fi-Lautsprecher eignen sich für das Monitoring in der Regel eher nicht. Diese sind so konstruiert, dass sie ein möglichst angenehmes Klangerlebnis erzeugen. Hi-Fi-Lautsprecher vermeiden die Wiedergabe unangenehmer Frequenzen und spielen ein Lied auf schöngefärbte, oft basslastige Art und Weise ab. Die alleinige Beurteilung auf diesem System würde beispielsweise einen Mangel an tiefen Frequenzen oder einen insgesamt sehr nervig-hochmittigen Sound verschleiern. Beim Anhören auf einem Laptop, mit Kopfhörern, kleinen Boxen oder anderen Systemen folgt dann die Ernüchterung: Der zuvor scheinbar gut klingende Track wirkt eigenartig dünn oder anstrengend.

Um diesen Fehler zu vermeiden, sollten zum Monitoring vorgesehene Lautsprecher möglichst linear sein. Innerhalb des hörbaren Frequenzspektrums von etwas oberhalb 20 Hz bis unterhalb 20.000 Hz sollte keine Frequenz merklich erhöht oder abgesenkt sein. Wenn das Audiomaterial so abgemischt wurde, dass es auf solchen linearen Lautsprechern gut klingt, ist eine bestmögliche Kompatibilität auf anderen Wiedergabesystemen gewährleistet.

Eine Ausnahme stellen spezielle Lautsprecher dar, die sich neben den linearen Systemen als Zweitabhöre eignen. Extrem mittenlastige Systeme können beispielsweise bei der Beurteilung der Kompatibilität auf qualitätsschwachen Lautsprechern (Küchenradios, Laptops etc.) helfen. Auch die berüchtigten und absolut nicht linearen Yamaha NS 10 werden nach Jahrzehnten noch heute genutzt. Viele Produzenten gehen sozusagen davon aus, dass ein Track nur dann auf verschiedensten Wiedergabesystemen funktioniert, wenn er auf den NS 10 ausgewogen klingt.

2. Abhörlautstärke

Im Gegensatz zur hoffentlich sorgfältig ausgewählten Studioabhöre ist das menschliche Gehör jedoch ganz und gar nicht linear. In der Praxis hat dies zur Folge, dass Abhören bei unterschiedlichen Lautstärken die Hörbarkeit von Frequenzen beeinflusst. Bei extrem leisem Monitoring sind viele Anteile der tiefen und sehr hohen Frequenzen nicht wahrnehmbar. Zu lautes Monitoring führt hingegen dazu, dass kaum vorhandene Tiefen hörbar werden oder die Lautheit eine Präsenz vorgaukelt, die nicht vorhanden ist. Laut klingt auch ein sehr mäßiger Mix zumindest irgendwie gut. Es sollte also ein vernünftiges Lautstärkeniveau beim Monitoring eingehalten werden. Wenn du es genau wissen willst: Am linearsten verhält sich unser Gehör bei 80-87 dB SPL.

3. Raumakustik

Da sich Lautsprecher und Zuhörer innerhalb eines geschlossenen Raumes befinden, übt auch dieser einen Einfluss auf das Monitoring aus. Ein sehr leerer Raum mit glatten Flächen wird enorm viele Höhen reflektieren und neben zu viel Hall ziemlich scharf klingen. Die Folge ist ein in anderen Räumen dumpfer Mix. Auch tiefe Frequenzen können sich besonders in Raumecken und in der Raummitte sammeln und sich zu dröhnenden Raummoden addieren. Eine objektive Beurteilung des Bassbereichs ist so nicht mehr möglich und ein sehr dünner, bassloser Mix kann das Resultat sein.

Beide Probleme bekommt man in vielen Fällen mit den richtigen Maßnahmen gut in den Griff. Für tiefe Frequenzen gibt es beispielsweise die sogenannten Bassfallen. Hohe und mittlere Frequenzen werden durch Breitbandabsorber kontrolliert. Die Optimierung der Raumakustik ist eine Wissenschaft für sich und würde im Detail den Rahmen dieses Artikels sprengen. In jedem Fall zahlt sie sich für das bessere Monitoring aus.

Praxistipps für das Monitoring

Unter Berücksichtigung der Einflüsse auf das Monitoring ergeben sich einige Tipps, die dabei helfen, das Mixing oder Mastering in der Praxis einfacher, angenehmer und besser zu gestalten.

1. Referenztracks

Tracks, von denen der Produzent weiß, dass sie gut klingen, können beim Vergleich helfen. Ein Switchen zwischen dem Monitoring des eigenen Tracks und der Referenztracks hilft dabei, die eigene Perspektive beizubehalten. Besonders lange Mixing-Sessions können in eine Richtung führen, die sich weit von vernünftigen Frequenzspektren wegbewegt. Das Zwischenhören einiger Referenztracks erdet dich in diesen Fällen wieder und die Arbeit kann normal weitergehen.

2. Variieren der Abhörlautstärke

Ein wenig von der idealen Abhörlautstärke abzuweichen, kann ebenfalls helfen, die richtige Perspektive zu behalten. Versuche den Track sehr leise abzuhören und achte darauf, ob noch alle wichtigen Elemente zu hören sind. Ist der Gesang nicht mehr verständlich? Verschwindet die Melodie hinter einer Wand von Gitarren? Ist der Beat entweder nicht mehr zu hören oder nur noch ein dominierendes Element? Auch kurzzeitiges sehr lautes Hören kann sinnvoll sein, um zu beurteilen, ob der Track schnell nervig wird oder extrem dröhnend klingt. Auch bei etwas mehr Lautstärke sollte er angenehm anzuhören sein. Auf jeden Fall lässt dich das Variieren der Lautstärke zwischendurch Dinge erkennen, die dir bisher entgangen sind.

3. Abhören in Mono

Ein ebenfalls guter Tipp ist, während des Monitorings gelegentlich auf Mono umzuschalten. Das Mixing und Mastering solltest du grundsätzlich in Stereo erledigen, doch ein kurzes Switchen auf Mono zwischendurch kann dir helfen, Probleme zu identifizieren. Verschwinden plötzlich wichtige Elemente des Tracks? Stechen einige viel zu stark aus dem Track hervor? Phasenprobleme oder zu starke Lautstärkedifferenzen, die dir bisher entgangen sind, können die Ursache sein. Viele Hörer werden den Track ohnehin nicht in idealer Umgebung hören, eine gewisse Monokompatibilität sollte also gegeben sein.

Kopfhörercheck – Monitoring mit Kopfhörern

Ein Gegencheck auf Kopfhörern kann besonders nach langem Arbeiten auf einem Lautsprecher-Set sinnvoll sein. Allein der Wechsel auf eine völlig andere Abhörumgebung wird dir einige Dinge klarer erscheinen lassen. Außerdem bringt das Abhören mit Kopfhörern einige besondere Eigenschaften mit sich:

Vorteile:

Umgehen der Raumakustik: Besonders in sehr schlechten Abhörumgebungen sind Kopfhörer eine gute Alternative, um ein lineareres Monitoring zu gewährleisten. Auch kleine Räume mit wummerndem Bass können so umgangen werden und eine zielgerichtete Beurteilung der tiefen Frequenzen wird durch die Kopfhörer erst möglich.

Mobilität: Im Gegensatz zu einem Tonstudio sind Kopfhörer einfach tragbar. Willst du abseits des eigenen Heimstudios unterwegs produktiv sein, können dir Kopfhörer professionelles Monitoring „on the road“ ermöglichen. Zudem helfen sie dir, Tracks in fremden Abhörumgebungen zu beurteilen. Solltest du die dortige Akustik während des Monitorings noch nicht kennen, hilft dir ein paralleles Abhören auf dir bekannten Kopfhörern, den dortigen Raumklang in Perspektive zu setzen.

Das solltest du beachten:

Räumliche Beurteilung: Zur realistischen Beurteilung der Räumlichkeit und zur Lokalisierung von Klangquellen werden beide Ohren benötigt. Üblicherweise treffen akustische Reize zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf unsere Ohren. Außerdem erreichen sie die Gehörgänge wegen des dazwischen liegenden Kopfs je nach Position der Quelle mit unterschiedlichem Klangspektrum. Durch geschlossene Kopfhörer allerdings werden dem Gehör diese beiden Informationen vorenthalten, da jedes Ohr jeweils seine eigene Klangquelle bekommt. Diese Klangquellen sind außerdem voneinander getrennt. Eine optimale Beurteilung der Räumlichkeit ist also mit Kopfhörern eigentlich nicht möglich, kann aber durch offene Kopfhörer etwas kompensiert werden.

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