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ERSTE SCHRITTE DES RECORDINGS

Du träumst schon länger davon deinen eigenen Song aufzunehmen? Doch wo fängt man an und worauf muss man achten um eine qualitativ hochwertige Aufnahme zu produzieren?
Hier haben wir alle Schritte auf einen Blick:

  1. Vorbereitung des Songs
  2. Vorbereitung der Instrumente und der Stimme
  3. Die Raumakustik
  4. Vorbereitung der Software
  5. Erstes Zwischenfazit

Schritt 1: Vorbereitung des Songs

Oft wird bei der Vorbereitung darüber nachgedacht, welches Mikrofon das beste sein könnte, welche Effekte man hinterher verwenden will oder ob es sich lohnen würde, ein besseres Instrument auszuleihen. Was die Qualität der Aufnahme allerdings am stärksten beeinflusst, ist man selbst. Deshalb sollte man sich lieber Fragen stellen wie: Kann ich den Song auch auswendig? Kenne ich den Text? Weiß ich, wie ich die Übergänge der Songpassagen spielen muss?

Viele Fehler im Studio (oder an anderen Aufnahmeorten) passieren deshalb, weil das Lied nicht ohne Weiteres fehlerfrei eingespielt wird. Mal kann man die geprobte Melodie nicht reproduzieren, mal vergisst man den Übergang zwischen Refrain und Strophe, mal vergisst man sogar ganze Strophen. Das alles führt zu Unterbrechungen, die den kreativen Prozess stören. Bei der Probe ist das kein Problem. Hat man aber bereits alles zur Aufnahme aufgebaut, kann man schnell die Geduld verlieren, vor allem, wenn jemand bei der Aufnahme hilft.

Das Allerwichtigste ist also zunächst einmal das Proben. Du solltest in der Lage sein, einen Song komplett aus dem Kopf zu spielen. Mit allem, was dazu gehört. Und auch, wenn du dich nicht an anderen Instrumenten orientieren kannst. Dabei kommt es vor allem darauf an, „sauber“ zu spielen oder zu singen. Spielt man live auf der Bühne, sind Fehler hin und wieder natürlich unvermeidbar. Eine Aufnahme sollte aber so fehlerfrei wie möglich sein. Achte deshalb unbedingt auf die Details. Selbstverständlich können mehrere Takes (Aufnahmewiederholungen) gemacht werden, das wird mit der Zeit aber schnell langweilig und zehrt zudem an Kreativität und Motivation.

Wichtig ist vor allem das Tempo! Viele Musiker spielen bei ihren ersten Aufnahmen nur aus dem Gefühl heraus – und wundern sich dann, dass weitere Instrumente nicht in das Gesamtbild passen. Aus diesem Grund solltest du grundsätzlich ein Metronom benutzen. Hast du dir bereits angewöhnt, auch beim Proben ein Metronom zu verwenden, solltest du schon relativ sicher sein. Es ist aber trotzdem empfehlenswert, jedes Lied vor der Aufnahme mit einem Metronom zu üben. 

Schritt 2: Vorbereitung der Instrumente
und der Stimme

Die richtige Vorbereitung der Stimme oder des Instruments ist für die Aufnahme genauso wichtig wie die Wahl des richtigen Mikrofons. Nichts ist ärgerlicher, als festzustellen, dass eine eigentlich gute Aufnahme etwas merkwürdig klingt, weil die Instrumente vorher nicht mehr gestimmt wurden. Das gilt übrigens nicht nur für Gitarren oder Bässe. Auch Schlagzeuge müssen vor der Aufnahme gestimmt werden. Zwar gibt es Möglichkeiten, die Tonhöhe nachträglich zu bearbeiten. Allerdings entstehen so oft Artefakte, die deutlich hörbar sind. Du solltest deshalb auf jeden Fall ein paar Minuten Zeit ins Stimmen investieren.

Bei Saiteninstrumenten empfiehlt es sich, neue Saiten aufzuziehen, das Griffbrett zu polieren und zu reinigen, sowie die Mechaniken (Saitenhalter und Stimmmechaniken) einzustellen. Beim Schlagzeug oder bei anderen Trommeln sollten neue Felle aufgezogen werden. Der Klang der Felle kann zusätzlich mit Dämpfungsringen oder Gel-Pads bearbeitet werden.

Je nach Instrument empfiehlt es sich, noch einmal den Händler aufzusuchen und eine „Generalüberholung“ durchzuführen. Das muss natürlich nicht vor jeder Aufnahme gemacht werden. Mit der Zeit sagt einem die Erfahrung, wann sich der Klang etwas verändert hat.

Bei Gesangsaufnahmen ist es wichtig, gut aufgewärmt zu sein. Speziell bei lauten Passagen kann es bei mehreren Takes im Hals sonst schnell kratzen oder schmerzen. Gute Hilfsmittel sind hier Tee mit und ohne Honig sowie generell ausreichend Flüssigkeit.

FOX USB-Mikrofon
FOX USB-Mikrofon

Schritt 3: Die Raumakustik

In vielen Foren kann man über Raumakustik als einen der großen Faktoren der Aufnahmequalität sprechen. Und das stimmt auch. Allerdings sind die großen Probleme die auftreten können nur unter größerem Aufwand lösbar. Auch hier könnt ihr auf einige Details achten.

Geh in den Raum, in dem die Aufnahme stattfinden soll, und sprich ein paar Sätze oder klatsche laut mit den Händen. Entsteht dabei ein Echo oder Hall? Wird bei einzelnen Gegenständen wie Vasen oder Gläsern eine Resonanz erzeugt? Auch andere Instrumente im Raum wie Gitarren oder Schlagzeuge schwingen oft mit und erzeugen so ungewollte Klänge. Auf diese Weise solltest du relativ schnell ausmachen können, ob ein Raum hallt oder den Klang deiner Stimme zurückwirft. Zum Vergleich kann man hier auch einmal den Klang eines Badezimmers mit dem Klang eines anderen Zimmers, beispielsweise des Schlafzimmers, vergleichen. Badezimmer haben meistens einen gewissen Hall, da es viele glatte Oberflächen gibt, die den Schall zurückwerfen. In Schlaf- oder Wohnzimmern ist meistens das Gegenteil der Fall, denn die Akustik profitiert von Sofas, Bücherregalen und anderen Möbelstücken, die den Schall entweder absorbieren (z. B. Sofa oder Bett) oder diffundieren, also teilen und in mehrere Richtungen zurückwerfen.

TIPP: Sollte der ausgesuchte Raum nicht perfekt sein, kann man auf jeden Fall versuchen, resonierende Gegenstände oder glatte Oberflächen mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu dämpfen.

Schritt 4: Vorbereitung der Software

Ganz gleich, welche Software du zur Aufnahme nutzt: Es bietet sich an, einige Vorbereitungen zu treffen, um während der Aufnahme nicht zu viel Zeit am Computer zu verbringen.

Zu Anfang sollte immer erst das Audio-Interface oder Mikrofon eingerichtet werden. Verwendest du FOX und einen Windows-Computer, lade den Audio-Treiber „ASIO4ALL“ herunter und installiere ihn. In den Audio-Einstellungen der Software sollten dir jetzt verschiedene Audiogeräte zur Auswahl zur Verfügung stehen. Wähle das Gerät aus, mit dem du deine Aufnahme durchführen möchtest, und stelle die entsprechenden Kanäle für die Eingänge und Ausgänge im Menü ein.

Im Anschluss geht es weiter mit der Projektorganisation. Hier empfiehlt es sich, mehrere Spuren zu erstellen, um bei der Aufnahme schnell wechseln und auch mehrere Spuren nacheinander aufnehmen und überlagern zu können (Overdubbing). Achte dabei unbedingt darauf, dass allen Spuren der richtige Eingang zugewiesen wurde. 

DT 990 PRO

Einer der wichtigsten Punkte ist die Einstellung des Metronoms. Vor der Aufnahme muss das Tempo innerhalb der Software stimmen. Bist du dir nicht sicher, in welchem Tempo du überhaupt spielst, lass das Metronom laufen und spiele ein paar Takte. Stell die BPM (Beats Per Minute) dabei so oft ein, bis du einen angenehmen Takt gefunden hast. Andernfalls bist du dazu gezwungen, krampfhaft im Takt zu spielen oder das Tempo kontinuierlich künstlich anzupassen. 

Wie bereits erwähnt ist Overdubbing ein gängiges Mittel bei Aufnahmen. Dabei werden mehrere Klänge „über“-einander aufgenommen, um den Song größer und voluminöser klingen zu lassen. Überleg dir am besten schon vor der Aufnahme, welche Stellen im Song, welche Instrumente und welche Effekte übereinander liegen sollen. In der Regel wird die Stimme im Refrain zum Beispiel mehrfach gedoppelt, um den Refrain etwas vom Rest des Liedes abzuheben.

TIPP: Overdubbing ist auch ein gutes Mittel, um einen Song mit nur einem Mikrofon in Stereo zu produzieren. Nimm dazu dein Instrument in allen Passagen mehrfach auf und mische mindestens eine Spur leicht nach rechts und eine weitere Aufnahme leicht nach links. Du wirst sofort den Unterschied merken.

Erstes Zwischenfazit

Recording erfordert viel Übung und Feingefühl im Umgang mit der Software und den verschiedenen Klängen. Lass dich nicht abschrecken, falls es zu Beginn nicht gleich klappen sollte oder du das Gefühl hast, es sei zu schwierig. Sobald du tiefer in das Thema einsteigst, gewinnen auch Faktoren wie die Auswahl des richtigen Mikrofons oder die weitere Anpassung der Raumakustik zunehmend an Bedeutung. Auf diese Aspekte werden wir dann in weiteren Posts noch näher eingehen. Zunächst aber erst einmal viel Erfolg und viel Spaß beim Mixing der aufgenommenen Spuren!

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