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Homestudio Essentials: Die erste Studioeinrichtung

Viele Musiker, Produzenten oder beispielsweise Podcaster, müssen derzeit auf ihre Studiozeit verzichten und suchen nach Wegen auch während dieser Zeit zuhause weiter ihrer Arbeit nachgehen zu können. Nur wenige haben bereits ein Homestudio in den eigenen vier Wänden eingerichtet und können mit ihrer Arbeit nahtlos weitermachen.

Die Anwendung

All diejenigen, die derzeit vor der Aufgabe stehen ein solches Studio zuhause einzurichten, müssen sich auch der Frage stellen, wie sie vorgehen und welches Equipment am sinnvollsten angeschafft wird. Ein guter Wegweiser ist dabei deine Anwendung, also ob du Musiker, Produzent oder Podcaster bist und vielleicht deine Vision, wie du dir dein Studio in den kommenden drei Jahren vorstellst. Oft durchsucht man viele Foren, Informationsportale und Produktseiten, häufig verliert man dabei aber den Überblick. 90 % der Anwendungen kann man mit viel weniger Equipment abdecken, als man denken mag. Dabei solltest du ein paar einfache Überlegungen anstellen:

  • Wie viele Musiker werden in der Regel bei mir aufgenommen? Wie viel Platz steht mir für mein Studio zur Verfügung?
  • Welche Instrumente werden aufgenommen? (Bspw. Schlagzeug oder E-Gitarre?)
  • Werde ich Kunden haben oder nutze ich das Studio nur für meine eigenen Produktionen?

Erfahrungsgemäß erzielst du das beste Ergebnis, wenn du dich fokussierst und deine spezielle Anwendung dafür aber zu 100% umsetzen kannst, statt dir die Möglichkeit zu schaffen viele Aufnahmesituationen nur zu 10% zu erfüllen. Einige grundlegende Ratschläge lohnt es sich allerdings zu beherzigen.

Die Grundausstattung

Wenn du nicht gerade wie die Foo Fighters aus Nostalgie auf Bandmaschinen aufnehmen möchtest, richtest du dein Studio möglichst digital ein. Das heißt, der Computer ist das Zentrum deiner Produktion, gefolgt von einem Audio-Interface, das analoge Signale von Mikrofonen in digitale Signale wandelt. Ein paar Aktivlautsprecher und ein möglichst bequemer und natürlich klingender Kopfhörer gehören ebenso zu den Standards.
 Je nachdem ob du akustische Signale aufnimmst, benötigst du auch ein oder mehrere Mikrofone z.B. für die Aufnahme von Gesang und Gitarre. Sofern du nicht Garage Band oder Audacity nutzen möchtest, sollte noch eine DAW (Digital Audio Workstation) angeschafft werden (falls bei deinem Audio Interface nicht schon eine dabei ist).

Um dir das gesamte Equipment, das für ein Homestudio benötigt wird, zu erklären bräuchte es noch viele weitere Artikel. In diesem Artikel möchten wir die erstmal nur grundlegende Tipps geben.

In den meisten Fällen dient der Computer nicht nur der Musikproduktion, sondern wird auch fürs Surfen im Internet, Bürotätigkeiten oder Skype-Calls genutzt. Oft ist das Budget nicht gegeben, einen separaten Rechner für das Homestudio anzuschaffen. Grundsätzlich kann man sich an den Systemvoraussetzungen der Soundkarte und der DAW orientieren, um einen geeigneten Rechner zusammenzustellen. Im Zweifel gilt aber: viel hilft viel. Da wir davon ausgehen, dass es in diesem Fall ein Multifunktionsrechner ist, ist es sinnvoll, wenn in die Anschaffung etwas mehr investiert wird. Gleichzeitig sollte aber über Möglichkeiten nachgedacht werden, wie Dateien und das System gut organisiert werden können. Hier wäre ein NAS oder mehrere Festplattenpartitionen beispielsweise eine Option.

In den meisten Situationen ist ein Audio Interface notwendig. Lautsprecher, Mikrofone oder auch Synthesizer und E-Pianos nutzen vorrangig Schnittstellen, die ein Audio Interface oder zumindest ein Mischpult voraussetzen. Egal ob Klinke, XLR oder DIN (Midi), Audio Interfaces in verschiedenen Ausführungen machen die Verbindung möglich und wandeln das Signal in USB oder Thunderbolt.

Was hier beachtet werden sollte, ist die Anzahl der Eingangs- und Ausgangskanäle. Planst du in Zukunft mehrere Quellen aufzunehmen, wie zum Beispiel beim Drum Recording, empfiehlt es sich in eine größere Ausführung zu investieren. Besteht 90% deiner Anwendung aus der Nutzung eines einzelnen Mikrofons, wie oft bei Streamern gesehen, genügen dir schon bereits zwei Eingänge. Es gibt auch Ausführungen, die nur einen Eingang besitzen, doch sobald etwas in Stereo aufgenommen werden soll, wird ein zweiter Eingang benötigt.

Die oberste Faustregel in jedem Studio ist, dass möglichst realistisch abgehört werden muss, da Musik idealerweise so bearbeitet wird, egal wo und über welches Endgerät sie gehört wird, gleich gut klingt. Lautsprecher mit möglichst weitem Frequenzgang sind dabei zu empfehlen. Der Klangcharakter selbst ist aber dir überlassen, da dein natürlicher Höreindruck und deine Vorprägung manche Modelle neutral, andere gefärbt erscheinen lassen. Dies sollte auf jeden Fall getestet werden! Kopfhörer sind notwendig, um bei akustischen Aufnahmen mit Metronom bzw. Klick zu arbeiten. Außerdem sind sie im Vergleich zu Lautsprechern recht günstig und bieten trotzdem eine sehr gute Abhörqualität über den kompletten Frequenzgang Der geschlossene Studiokopfhörer DT 770 PRO wird beispielsweise von vielen Engineers weltweit eingesetzt, um bei Aufnahmen das Signal abzuhören (Monitoring) oder eine Mischung zu beurteilen.

Am Anfang solltest du ein Mikrofon wählen, mit dem du verschiedene Quellen gleichermaßen aufnehmen kannst. Ein Kondensatormikrofon ist sehr vielseitig und liefert in den meisten Situationen einen verwertbaren Klang. Ein Mikrofon wie das TG V56 ist prädestiniert für Vocals, kann aber auch für Akustikgitarre oder Streicher verwendet werden. So können mit minimalem Aufwand viele verschiedene Anwendungen abgedeckt werden und die Entscheidung, ob Mikrofone für spezielle Anwendungen angeschafft werden sollen, auf später vertagt werden.

Das Programm bestimmt einen großen Teil des Workflows und sollte daher gründlich recherchiert werden. Teilweise sind DAWs ausgelegt für elektronische Musik, teilweise eher für naturgetreue Aufnahmen. Wir können eine Empfehlung für Steinbergs Cubase aussprechen, da man auch als Einsteiger gut damit zurechtkommt, aber auch professionelle Produktionen umsetzen kann. (Cubase LE ist gratis in den Bundles Creator PRO und Creator 24 enthalten). Heutzutage werden ganze Schlagzeug-, Piano- oder Streicher-Aufnahmen nur über Softwareinstrumente abgebildet. Habt ihr eine DAW, die das alles bietet, könnt ihr einen Großteil der Produktionen mit kleinem Invest umsetzen. Selbst E-Gitarren Simulationen sind heute soweit ausgereift, dass man einen Verstärker in manchen Fällen durch ein Plug-In (*Software Einheit innerhalb der DAW) ersetzen kann.

beyerdynamic blog Tipp

Unser Tipp: Steinbergs Cubase LE ist gratis in den Creator Bundles enthalten!

Die Raumakustik 

Tatsächlich ist die Raumakustik mit unter einer der stärksten Faktoren in einem Studio, aber auch einer, den wir zu Hause nur mit hohem Aufwand beeinflussen können. Dabei hängt es davon ab, wie stark man die Arbeitsumgebung beeinflussen möchte. 

Einen gut klingenden Raum erreicht man, wenn hallende (reflektierende Oberflächen) und stehende Wellen vermieden werden. Kurzgesagt: sehr viele Flächen muss mit schweren und porösen Stoffen abgedeckt werden. Stehende Wellen können dabei ebenfalls durch Asymmetrie erreicht werden, die aber in Wohnräumen schwer zu erzeugen ist. Eine pragmatische Lösung sind Möbel. Ein schweres Sofa, Bücherregale und andere Gegenstände die keine reflektierenden Oberflächen besitzen. Man kann sich das so vorstellen: dass sich Schallwellen ähnlich wie Wellen in einem Wasserbecken bewegen, die Energie dabei aber durch Luftmoleküle übertragen wird. Diese können in Poren gefangen bzw. in mechanische Bewegung gewandelt werden und verlieren somit ihre Kraft. Oft sieht man grauen oder schwarzen Noppenschaum, allerdings ist das in vielen Fällen Geldverschwendung, da der sogenannte Absorptionsgrad gering ist, also wenig Schall neutralisiert werden kann. Ein wenig besser sind Absorber gefüllt mit Glaswolle oder Steinwolle (meist in Holzrahmen eingefasst). Da der Absorptionsgrad von der Tiefe der Absorber abhängt, sollte beim Kauf oder Bau darauf geachtet werden, dass das richtige aber auch ausreichend Material verwendet wird, um den gewünschten Effekt zu erzeugen.

Zu guter Letzt: Spaß haben

Sofern ihr (noch) keine Auftragsarbeiten umsetzen müsst, versucht Spaß an eurem Studio zu haben. Letztendlich ist das der größte Antrieb und der Grund weshalb ihr überhaupt angefangen habt ein Homestudio einzurichten. Manchmal setzt man sich selbst etwas unter Druck ein gutes Ergebnis erzielen zu müssen, bedenkt aber das letztendlich viel Zeit und Übung dazugehört, gute Aufnahmen oder Mischungen zu erreichen. Dabei Spaß zu haben ist wichtig, um nicht in Frustration zu gleiten denn ziemlich sicher ist, dass ein toll eingerichtetes Studio kein tolles Ergebnis garantiert. Ihr selbst seid der wichtigste Faktor in eurem Studio.
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