Lesezeit 5 min

Bändchenmikrofone im Homestudio

Derzeit stehen viele Künstler vor großen Herausforderungen. Neben Konzerten und Auftritten, die nicht stattfinden können, kann auch das Tonstudio nicht mehr besucht werden. Künstler, die zuhause ein eigenes kleines Homestudio haben, können auch in diesen Zeiten ihrem Beruf oder ihrem Hobby nachgehen. Dabei kommt es natürlich auf das richtige Equipment an, welches je nach Anwendungszweck selbstverständlich variieren kann.

Wir erklären dir im Folgenden, warum Bändchenmikrofone eine Bereicherung für dein Homestudio darstellen können und was es bei dieser Art von Mikrofon alles zu beachten gibt.

1. Entwicklung des Bändchenmikrofons

In den 20er Jahren waren Tauchspulen- und Kondensatormikrofone technisch noch lange nicht so ausgereift wie heute. Der Frequenzgang war recht beschränkt, die Ausgangsspannung zu niedrig, das Rauschen zu hoch oder die Bauform kaum zu gebrauchen. Mit der Entwicklung der Bändchenmikrofone gab es ein neues technisches Prinzip, das entscheidende Vorteile und einige Nachteile bot.

beyerdynamic blog Bändchenmikrofon Homestudio
Bändchenmikrofon M 160

Durch seine einfache Anwendung und den ausgewogenen Klang hatte es sich schnell zum Standard von Tonstudios oder Rundfunkhäusern entwickelt. Durch die fortschreitende Entwicklung des Kondensatormikrofons, rückte das Bändchenmikrofon in den 40er Jahren jedoch erstmals in den Hintergrund.

2. Funktionsprinzip des Bändchenmikrofons

Ähnlich wie bei Tauchsupulenmikrofonen, funktionieren Bändchenmikrofone durch Induktion.  Bei der Tauchspule schwingt eine Spule aus Kupfer um bzw. zwischen Magneten.

beyerdynamic Blog Dynamisches Mikrofon Funktionsweise
Dynamisches Mikrofon

Beim Bändchenmikrofon hingegen ist es die Membran selbst, die zwischen Magneten schwingt. So wird die Schallenergie in Bewegung gewandelt und Spannung erzeugt.

beyerdynamic blog Bändchenmikrofone Funktionsweise
Bändchenmikrofon
3. Vor- und Nachteile von Bändchenmikrofonen

Historisch betrachtet war der hohe Frequenzumfang und die Empfindlichkeit für hohe Frequenzen neben einer sehr guten Impulstreue ein entscheidender Vorteil der Bändchenmikrofone. Nach heutigem Entwicklungsstand können Bändchenmikrofone rein technisch betrachtet kaum mithalten, weshalb sie wohl zum Beispiel nie für Telefonkonferenzen eingesetzt werden und sogar im Musikeralltag etwas verdrängt wurden.

Dabei sollte man sich vom ersten Eindruck jedoch nicht täuschen lassen. Viele Faktoren sprechen für den Einsatz von Bändchenmikrofonen:

  • Das Impulsverhalten ist nach wie vor herausragend. Dadurch wird ein lebendiger und natürlicher Klang geschaffen, ohne auf externe Spannung angewiesen zu sein.
  • Der Frequenzgang wirkt ausgewogener als bei vielen Mikrofonen, da die Partialschwingungen und Resonanzfrequenzen das Klangbild weniger stark färben. Obwohl die hohen Frequenzen nicht so stark ausgeprägt sind wie bei Kondensatormikrofonen, klingen Bändchen dennoch detailreich.
  • Obwohl es ihnen oft abgesprochen wird, sind viele Bändchenmikrofone robust und können nur im Ausnahmefall durch Phantomspeisung beschädigt werden. Das M 160 und M 130 können beispielsweise bedenkenlos auch an extrem lauten Quellen eingesetzt werden. Darüber hinaus ist oft keine Elektronik verbaut, sodass das einzig empfindliche Bauteil die Membran ist.

Die Nachteile dieses Mikrofontyps sind gleichzeitig alle Gründe weshalb man heute Kondensatormikrofone vorzieht. Der Frequenzgang ist nicht so umfangreich, die Empfindlichkeit ist ebenfalls geringer und der Formfaktor selbst in kleinsten Ausführungen wie dem M 130, nicht so kompakt wie das kleinste Kondensatormikrofon. Sollte extremste Robustheit gefordert sein, sind Tauschspulenmikrofone die bessere Wahl, da sie mechanisch noch mehr aushalten. Allerdings liefern Bändchenmikrofone einen sehr speziellen Klang für ganz spezielle Anwendungen.

4. Anwendung von Bändchenmikrofonen

Im Zentrum der Anwendungen eines Bändchenmikrofons steht wohl der Gitarrenverstärker. Da die hohen Frequenzen gedämpft sind bildet das Mikrofon den natürlichen Klang des Verstärkers optimal ab, ohne dumpf oder langweilig zu wirken.

Bei Gitarren Amps die teilweise sehr stark verzerren, können diese hohen Frequenzen schrill und unangenehm sein. Kondensator- und Tauschspulenmikrofone können das verstärken.

Da Bändchenmikrofone bei hohen Schalldrücken kaum verzerren, sind sie im Metal-Bereich gut aufgehoben und der Bühnentechniker freut sich über einen Klang, den er nicht mehr großartig bearbeiten muss. Das M160 weist als eines der wenigen Bändchenmikrofone eine Hypernierencharakteristik auf und performt deshalb auch auf lauten Bühnen optimal.

Den identischen Effekt können wir bei Blech- und Blasinstrumenten, bei Schlagzeugbecken oder bei manchem Sänger, der in einer sehr hohen Tonlage zu stark aus der Mischung hervorsticht, feststellen.

Nutzt man kein M160 sondern ein M130 kann man mit der Acht-Charakteristik sehr effizient Störquellen ausblenden, zum Beispiel in dem man die Schallquellen, die man aufnehmen möchte vor und hinter dem Mikrofon platziert und der unempfindliche Bereich auf die Störquellen gerichtet ist.

5. Das Bändchenmikrofon im Homestudio

Bändchenmikrofone werden oft nur noch von großen Studios oder Rundfunkanstalten genutzt, deren Kunden den speziellen Klang bevorzugen. Doch auch im Homestudio sind Bändchenmikrofone eine Bereicherung.

Ein absoluter Standard für kleine Homestudios ist das Kondensatormikrofon, da man mit diesem so gut wie alles aufnehmen kann. Ein Bändchenmikrofon kann darüber hinaus mit seiner natürlichen Färbung eine große Bereicherung sein, da es Gesang, Akustik- und E-Gitarren und selbst perkussive Instrumente spannender und individueller klingen lässt. Tauchspulenmikrofone und Bändchenmikrofone haben ähnliche und gleichzeitig ganz unterschiedliche Klangeigenschaften. Deshalb lässt sich bereits mit diesen beiden Mikrofonarten ein extrem weites Klangspektrum abdecken.

Auch wenn es um Effizienz geht, ist das Bändchen eine optimale Ergänzung zum bestehenden Equipment, da man es hauptsächlich bei Quellen einsetzt, die auch heute noch akustisch aufgenommen.

Ebenso für E-Gitarristen, die nicht über Simulationen spielen, sondern auf Amps zurückgreifen, empfiehlt sich das Bändchenmikrofon aus den zuvor genannten Gründen. Stimmen und Akustikgitarren schenkt das Bändchenmikrofon einen Vintage-Charme, der je nach Produktion gezielt eingesetzt werden kann und das Musikstück komplementiert.

In unserem Beitrag Die Herstellung eines Bändchenmikrofons erfährst du alles über die Produktion dieser Mikrofone! Jetzt lesen!

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren:

War dieser Beitrag hilfreich?

Wie bewertest du diesen Artikel?
Rating: 4.8/5. Von 9 Abstimmungen.
Bitte warten...